Sicher in den Urlaub: Warum der Reifendruck vor längeren Fahrten kontrolliert werden sollte

Zu niedriger Reifendruck kann Reifen schwer beschädigen. Warum auch ein RDKS die regelmäßige Kontrolle nicht ersetzt.

Sicher in den Urlaub: Warum der Reifendruck vor längeren Fahrten kontrolliert werden sollte

Vor der Urlaubsfahrt werden Gepäck, Reiseroute und Reiseunterlagen vorbereitet. Ein wichtiger Sicherheitscheck wird dabei jedoch häufig vergessen: die Kontrolle von Reifendruck und Reifenzustand.

Gerade auf längeren Autobahnfahrten werden die Reifen durch hohe Geschwindigkeiten, sommerliche Temperaturen und ein voll beladenes Fahrzeug stark beansprucht. Ein zu niedriger Luftdruck kann diese Belastung erheblich erhöhen und den Reifen dauerhaft beschädigen.

Kurz vor der Urlaubsfahrt entdeckt

Wie wichtig eine routinemäßige Kontrolle sein kann, zeigte ein aktueller Fall aus unserer Werkstatt. Das Fahrzeug kam für ein reguläres Service zu uns und sollte kurz darauf für eine längere Urlaubsfahrt genutzt werden.

Bei der Kontrolle wurden an allen vier Rädern nur noch rund 0,8 bar Luftdruck gemessen. Der Druck lag damit erheblich unter dem vorgesehenen Sollwert.

Beide Vorderreifen waren im Bereich der Flanken bereits deutlich eingerissen. Auch an den Hinterreifen waren beginnende Beschädigungen zu erkennen, allerdings noch ohne offene Risse. Aus Sicherheitsgründen mussten alle vier Reifen erneuert werden.

Die Bilder zeigen die beiden beschädigten Vorderreifen.

Stark eingerissene Reifenflanke bei einem Fahrzeug mit deutlich zu niedrigem Reifendruck
Deutlich sichtbarer Riss an der Flanke des zweiten beschädigten Vorderreifens

Warum zu niedriger Reifendruck gefährlich werden kann

Ein Reifen wird während der Fahrt ständig verformt. Ist der Luftdruck zu niedrig, fällt diese Verformung wesentlich stärker aus. Die Reifenflanke wird bei jeder Radumdrehung übermäßig beansprucht und erwärmt sich durch die erhöhte Walkarbeit.

Je höher die Geschwindigkeit, die Fahrzeugbeladung und die zurückgelegte Strecke sind, desto größer wird die Belastung.

Mögliche Folgen sind:

  • schwammiges oder unpräzises Fahrverhalten,
  • schlechtere Fahrstabilität,
  • erhöhter Rollwiderstand und Kraftstoffverbrauch,
  • ungleichmäßiger und beschleunigter Reifenverschleiß,
  • Schäden an der Seitenwand und der inneren Reifenstruktur,
  • ein plötzlicher Druckverlust bis hin zum Reifenplatzer.

Ob und wann ein bereits geschädigter Reifen tatsächlich ausfällt, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Mit den festgestellten Schäden wäre eine längere Autobahnfahrt jedoch mit einem erheblichen Sicherheitsrisiko verbunden gewesen.

Warum ein schleichender Luftverlust schwer erkennbar sein kann

Verliert ein einzelner Reifen plötzlich viel Luft, wird das Fahrverhalten häufig deutlich auffällig. Sinkt der Druck hingegen langsam und an mehreren Rädern ähnlich stark, kann die allmähliche Veränderung wesentlich schwerer wahrnehmbar sein.

Das betreffende Fahrzeug verfügte noch über kein Reifendruckkontrollsystem. Deshalb erschien auch keine Warnmeldung. Aber auch bei modernen Fahrzeugen mit RDKS sollte der Luftdruck weiterhin regelmäßig manuell kontrolliert werden.

Direktes und indirektes RDKS

Bei einem direkten Reifendruckkontrollsystem befinden sich Drucksensoren in den Rädern. Sie messen den tatsächlichen Reifenfülldruck und übertragen die Werte an das Fahrzeug. Wird ein festgelegter Grenzwert unterschritten, erfolgt eine Warnung.

Ein indirektes System besitzt dagegen keine eigenen Drucksensoren in den Reifen. Es verwendet unter anderem die Signale der ABS-Raddrehzahlsensoren. Ein Reifen mit zu niedrigem Luftdruck hat einen kleineren Abrollumfang und dreht sich bei gleicher Fahrgeschwindigkeit häufiger als ein korrekt befüllter Reifen.

Sinkt der Druck an allen vier Reifen langsam und ähnlich stark, kann die Erkennung – abhängig von Bauart und Generation des Systems – erschwert sein oder verzögert erfolgen. Moderne indirekte Systeme können zusätzliche Auswertungsverfahren verwenden, weshalb sich die genaue Funktion je nach Fahrzeug unterscheidet.

Ein RDKS bietet zusätzliche Sicherheit, macht die regelmäßige Luftdruckkontrolle aber nicht überflüssig. Es ersetzt außerdem nicht die Sichtkontrolle auf Risse, eingefahrene Fremdkörper, Ausbeulungen oder andere Beschädigungen.

Was sollte vor der Urlaubsfahrt kontrolliert werden?

Vor einer längeren Fahrt sollten folgende Punkte geprüft werden:

  • Luftdruck an allen vier Reifen,
  • gegebenenfalls auch der Luftdruck des Reserverads,
  • der für die geplante Beladung vorgeschriebene Reifendruck,
  • Reifenflanken auf Risse, Schnitte und Ausbeulungen,
  • Laufflächen auf Fremdkörper und Beschädigungen,
  • Profiltiefe und allgemeiner Verschleißzustand.

Der Luftdruck sollte am kalten Reifen gemessen werden, idealerweise vor Fahrtbeginn. Der richtige Wert richtet sich nach Fahrzeug, Reifendimension und Beladung. Die Angaben befinden sich üblicherweise im Tankdeckel, im Einstiegsbereich der Fahrertür oder in der Betriebsanleitung.

Unabhängig von einer geplanten Urlaubsfahrt empfiehlt sich eine Kontrolle mindestens einmal monatlich.

Wiederholten Luftverlust nicht nur ausgleichen

Schleichender Luftverlust kann unter anderem durch einen eingefahrenen Nagel, ein undichtes Ventil oder eine Undichtigkeit zwischen Reifen und Felge entstehen.

Ein kleiner Einstich in der Lauffläche kann unter bestimmten Voraussetzungen fachgerecht repariert werden. Entscheidend sind unter anderem die Lage und Größe der Beschädigung sowie der allgemeine Zustand des Reifens.

Wurde bereits längere Zeit mit zu wenig Luft gefahren, kann die innere Reifenstruktur irreparabel beschädigt sein. Der Reifen muss dann erneuert werden, selbst wenn der ursprüngliche Einstich grundsätzlich reparierbar gewesen wäre. Schäden an der Reifenflanke sind in der Regel ebenfalls nicht reparabel.

Wer einen Reifen wiederholt nachfüllen muss, sollte deshalb nicht lediglich Luft ergänzen, sondern die Ursache des Druckverlusts prüfen lassen.

Auch hochwertige Reifen benötigen den richtigen Luftdruck

Bei den montierten Reifen handelte es sich um hochwertige Markenreifen von Dunlop. Das festgestellte Schadensbild war nicht auf einen Herstellungs- oder Qualitätsfehler zurückzuführen.

Auch ein hochwertiger Reifen kann durch dauerhaft zu niedrigen Luftdruck und die daraus entstehende starke Verformung und Erwärmung schwer beschädigt werden. Der richtige Luftdruck ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Reifenpflege und Fahrzeugsicherheit.

Fazit: Wenige Minuten für mehr Sicherheit

Die Kontrolle des Reifendrucks dauert nur wenige Minuten, kann aber entscheidend für Sicherheit, Fahrverhalten und Reifenlebensdauer sein. Das gilt auch für Fahrzeuge mit Reifendruckkontrollsystem.

Besonders vor längeren Autobahn- und Urlaubsfahrten sollten Luftdruck, Reifenflanken und Laufflächen kontrolliert werden. Wird ein schleichender Druckverlust früh erkannt, lässt sich unter Umständen nicht nur ein gefährlicher Reifenschaden vermeiden – häufig kann auch der Reifen noch repariert werden.

Weitere Informationen zu unserer fachgerechten Beurteilung von Reifenschäden, Reifenreparatur und Reifenmontage finden Sie unter:

Reifenservice und Reifenreparatur in Wolfern bei Steyr

Der gezeigte Fall wurde anonymisiert und dient ausschließlich dazu, auf die Bedeutung einer regelmäßigen Luftdruckkontrolle aufmerksam zu machen.